Angehörige*r eines Spielers? So unterstützen Sie auf hilfreiche und verantwortungsvolle Weise

Angehörige*r eines Spielers? So unterstützen Sie auf hilfreiche und verantwortungsvolle Weise

Zu entdecken, dass jemand, den Sie lieben, mit Glücksspielen kämpft, kann verwirrend und emotional belastend sein. Vielleicht haben Sie Veränderungen im Verhalten, in der Stimmung oder in den Finanzen bemerkt und möchten helfen – aber ohne die Situation zu verschlimmern. Als Angehörige*r spielen Sie eine wichtige Rolle, doch es braucht Wissen, Geduld und klare Grenzen, um auf eine Weise zu unterstützen, die sowohl der betroffenen Person als auch Ihnen selbst guttut. Hier erfahren Sie, wie Sie das tun können – hilfreich und verantwortungsvoll.
Verstehen, was Spielsucht bedeutet
Spielsucht ist mehr als nur ein Problem mit Geld – sie ist ein Kontrollverlust. Für viele Betroffene wird das Spielen zu einer Möglichkeit, Stress, Einsamkeit oder Sorgen zu bewältigen. Mit der Zeit kann daraus ein Zwang werden, der immer mehr Lebensbereiche bestimmt – mit gravierenden finanziellen, sozialen und psychischen Folgen.
Als Angehörige*r ist es oft schwer zu begreifen, warum die Person nicht einfach „aufhört“. Doch Sucht verändert das Belohnungssystem im Gehirn, und der Ausstieg gelingt selten ohne professionelle Unterstützung. Dieses Verständnis ist der erste Schritt, um realistisch und mitfühlend zu helfen.
Offen sprechen – ohne Vorwürfe
Es ist verständlich, dass Sie wütend oder frustriert sind. Doch Vorwürfe führen selten zu einem offenen Gespräch. Versuchen Sie stattdessen, ruhig und respektvoll Ihre Sorge auszudrücken.
- Wählen Sie einen Moment, in dem die Person nicht gerade gespielt hat oder gestresst ist.
- Verwenden Sie „Ich“-Aussagen: „Ich mache mir Sorgen, wenn ich sehe, wie viel du spielst“, statt „Du ruinierst alles mit deinem Spielen.“
- Hören Sie mehr zu, als Sie reden. Es kann dauern, bis jemand bereit ist, das Problem anzuerkennen.
Auch wenn das Gespräch nicht sofort eine Lösung bringt, kann es ein wichtiger Anfang sein. Viele Betroffene berichten später, dass der Weg zur Hilfe mit einem ehrlichen Gespräch begann.
Klare Grenzen setzen
Unterstützen bedeutet nicht, die Verantwortung zu übernehmen oder Probleme zu vertuschen. Wenn Sie Schulden begleichen, Ausreden erfinden oder das Verhalten decken, kann das die Situation verschlimmern. Dieses Muster nennt man Co-Abhängigkeit – und es kann Sie selbst stark belasten.
Setzen Sie daher klare Grenzen, was Sie tun und was Sie nicht tun werden. Das ist nicht leicht, besonders wenn Sie Konflikte vermeiden möchten, aber es ist notwendig – für beide Seiten. Grenzen zeigen, dass Sie das Problem ernst nehmen und sich selbst schützen.
Professionelle Hilfe vermitteln
In Deutschland gibt es zahlreiche Hilfsangebote – von anonymen Hotlines bis zu spezialisierten Beratungsstellen und Therapieeinrichtungen. Sie können helfen, indem Sie:
- Informationen über lokale oder bundesweite Angebote recherchieren, z. B. über die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS).
- Anbieten, die betroffene Person zu einem Beratungsgespräch zu begleiten.
- Ermutigen, Kontakt zu einer Telefon- oder Onlineberatung aufzunehmen, etwa über die kostenlose Hotline 0800 1 37 27 00 (BZgA).
Wichtig ist, dass die Hilfe auf freiwilliger Basis erfolgt. Sie können niemanden zwingen, sich zu ändern – aber Sie können zeigen, dass Sie da sind, wenn der oder die Betroffene bereit ist.
Achten Sie auf sich selbst
Die Nähe zu einer spielsüchtigen Person kann sehr belastend sein. Viele Angehörige erleben Stress, Schlafprobleme oder Schuldgefühle. Deshalb ist es entscheidend, dass Sie auch auf Ihre eigene Gesundheit achten.
- Sprechen Sie mit jemandem über Ihre Situation – mit Freund*innen, einer Beratungsstelle oder einer Selbsthilfegruppe für Angehörige.
- Nehmen Sie sich Zeit für Dinge, die Ihnen guttun und Kraft geben.
- Erinnern Sie sich daran, dass Sie das Verhalten anderer nicht kontrollieren können – nur Ihre eigene Reaktion.
Sich selbst zu schützen ist kein Egoismus, sondern eine Voraussetzung, um langfristig eine stabile Unterstützung zu sein.
Wenn Rückfälle passieren
Auch nach einer Phase der Besserung kann es zu Rückfällen kommen. Das bedeutet nicht, dass alles verloren ist. Spielsucht ist ein Prozess, und Rückfälle können Teil des Weges zur Genesung sein. Versuchen Sie, mit Verständnis zu reagieren, aber bleiben Sie bei Ihren Grenzen.
Ermutigen Sie die betroffene Person, auf bewährte Strategien zurückzugreifen und erneut Hilfe in Anspruch zu nehmen. Das Wichtigste ist, die Hoffnung nicht zu verlieren – Veränderung ist möglich, auch nach mehreren Anläufen.
Sie sind nicht allein
Viele Angehörige fühlen sich isoliert, doch Sie sind nicht allein. In Deutschland gibt es Selbsthilfegruppen, Online-Foren und Beratungsangebote speziell für Angehörige von Spielsüchtigen. Der Austausch mit anderen kann entlastend sein und neue Perspektiven eröffnen.
Einen Menschen mit Spielsucht zu unterstützen, bedeutet nicht, ihn zu retten, sondern mit Mitgefühl, Wissen und klaren Grenzen an seiner Seite zu stehen. Es ist eine herausfordernde, aber auch bedeutungsvolle Aufgabe. Mit der richtigen Unterstützung können sowohl Sie als auch die betroffene Person den Weg zu einem verantwortungsvolleren Umgang mit dem Spielen – und miteinander – finden.










